Nachlese: Fachkonferenz Jugend- und Schüleraustausch: „Internationale Bildung in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen“

    Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Strategische Ausrichtung – Impulse und Diskussion“ ging am Mittwoch, dem 5. November die 3. Fachkonferenz Jugend- und Schüleraustausch zu Ende. Zwei Tage wurde im Schloss Fürstenried in München zum Thema „Internationale Bildung in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen“ intensiv gearbeitet und diskutiert. Rund 60 Fach- und Führungskräfte des internationalen schulischen, außerschulischen sowie des individuellen langfristigen Austauschs suchten gemeinsam Antworten auf die Frage, welchen Beitrag Austauschprogramme leisten können, um Polarisierung, Populismus und Diskriminierung entgegenzuwirken.

    In seinem Grußwort stellte Albert Klein-Reinhardt vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) heraus, dass Schüleraustausch „Außenpolitik auf Jugendebene“ sei. „Beim Thema Politische Bildung sind wir nicht in der Defensive, sondern in der Offensive“, sagte Klein-Reinhardt und verwies auf den Beschluss der Jugend- und Familienminister*innenkonferenz (JFMK) im Mai 2025. In diesem wurde betont, dass internationale Jugendbegegnungen ein zentraler Bestandteil demokratischer Bildung, aktiver Friedenspolitik und moderner Jugendhilfe sind.

    Albert Klein-Reinhardt, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)

    In der Keynote gingen Dr. Stefan Schäfer von transfer e.V. und der Katholischen Hochschule Köln sowie Dr. Veith Selk von der TU Darmstadt auf die aktuelle Krise der Demokratie ein und stellten sich der Frage, mit welchen Konzepten die internationale Jugendarbeit darauf reagieren kann. Stefan Schäfer forderte, sich selbstkritisch mit dem Begriff der Demokratiebildung auseinanderzusetzen, da dieser zwar zunehmend verwendet werde, aber selten konzeptionell unterfüttert sei. Er forderte eine stärkere Einbeziehung von Fachdebatten und wissenschaftlichen Diskursen, um die bestehenden Ansätze (kritischer) politischer Bildung in der internationalen Jugendarbeit weiterzuentwickeln.

    Dr. Stefan Schäfer, transfer e.V. und Katholische Hochschule Köln
    Dr. Veith Selk, TU Darmstadt

    Workshops zu Demokratiebildung und Politische Dimensionen
    „Ist gemeinsames Paddeln Demokratiebildung?“, fragte Lea Sedlmayr vom Bayerischen Jugendring in ihrem Workshop „Die Methoden der Internationalen Jugendarbeit und internationale Jugendarbeit als Methode – eine Reflexion für Demokratiebildung in der Praxis“. Anhand dieser und anderer Fragen setzten sich die Teilnehmenden mit der praktischen Umsetzung von Methoden zur Demokratiebildung im Bereich der internationalen Jugendarbeit auseinander.
    Im Workshop „Politische Dimensionen der Internationalen Jugendarbeit“ mit Gregor Christiansmeyer vom Sozialinstitut Kommende Dortmund, Dr. Stefan Schäfer (transfer e.V./ Katholische Hochschule Köln) sowie Knut Möller vom AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch standen ähnliche Fragen im Fokus. Zwei Kleingruppen diskutierten zu den Themen: „Welche Rolle spielt politische Bildung bei internationalen Begegnungen?“ und „Inwieweit erfolgt daraus politisches Handeln und in welchem politischen Rahmen bewegen wir uns?“ Die Ergebnisse fließen in den weiteren Prozess der AG Politische Dimensionen, einer Initiative im Rahmen von Forschung und Praxis im Dialog (FPD), ein.

    Workshop: Die Methoden der Internationalen Jugendarbeit und internationale Jugendarbeit als Methode – eine Reflexion für Demokratiebildung in der Praxis
    Workshop: Politische Dimensionen der Internationalen Jugendarbeit

    Der Abend begann mit einer Gesprächsrunde zu aktuellen (geo-)politischen Entwicklungen und endete mit Gesprächen an der Feuerschale.

    Der zweite Tag der Fachkonferenz

    Eva Feldmann-Wojtachnia vom Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) der LMU München

    „Strategischer werden, aber wie?“ lautete der Titel der Keynote, mit der der zweite Tag der Konferenz eröffnet wurde. Eva Feldmann-Wojtachnia vom Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) der LMU München stellte einen Plan vor, mit dem Organisationen schnell ins strategische Handeln kommen können. Denn, so legte sie den Teilnehmenden nahe: „Auf Unsicherheiten folgt immer der Ruf nach Strategie“.

    In den folgenden Workshops standen unterschiedliche Themen im Fokus. So stellten Dr. Markus Gamper von der Universität zu Köln sowie Bettina Wiedmann und Meike Zepp von Experiment e.V. die Ergebnisse und Impulse aus ihrer Gastfamilien-Studie vor. Hierin wurden über 1.000 Familien zu Motivation, Hürden und Unterstützungsmöglichkeiten befragt. Hintergrund der Studie ist der seit Jahren zu verzeichnende Mangel an Gastfamilien in Deutschland.

    Workshop: Was brauchen Gastfamilien heute? Ergebnisse und Impulse aus der Gastfamilien-Studie

    Wie aus virtuellen Räumen reale Chancen werden können, diskutierten Meike Köhler und Sophie Burger von der Stiftung Juve – Jugend verbindet Deutschland mit Osteuropa und Zentralasien. Gemeinsam erkundeten die Teilnehmenden, wie digitale Räume als Orte von Teilhabe und Begegnung in der internationalen Jugendarbeit gestaltet werden können. Die Erfahrung zeigt, dass viele Fachkräfte dem Thema aktuell noch mit Unsicherheit begegnen. Anschließend wurden Ideen gesammelt, wie diesen Unsicherheiten begegnet werden kann.

    Workshop: Virtuelle Räume, reale Chancen. Die Gestaltung partizipativer Begegnungsräume im Digitalen

    Judith Fesser von der Stiftung Jugendaustausch Bayern und Jürgen Reuther vom Jugendamt Nürnberg zeigten in ihrem Workshop “Jugendarbeit unter Druck – strategische Kooperationen als Antwort?“ am Beispiel der Stadt Nürnberg, wie die Kooperation mit einer Kommune zur Förderung des internationalen Jugendaustausch für mobilitätsferne Jugendliche inklusive Aufbau einer lokalen Koordinierungsstelle gelingen kann.

    Workshop: Jugendarbeit unter Druck – strategische Kooperationen als Antwort?

    In der abschließenden Fishbowl-Diskussion zum Thema „Strategische Ausrichtung – Impulse und Diskussion“ verwies Mareike Ketelaar von IJAB noch einmal auf die Publikationen des IJAB beispielsweise zum Neutralitätsgebot und stellte die Konferenz „Democracy in Action – Youth Work Matters!“ vor, die vom 3-5. Dezember in Straßburg stattfindet .

    Fazit der Veranstalter
    Die Fachkonferenz hat erneut ein Forum für das Kennenlernen und den kollegialen Gedankenaustausch über alle Grenzen des Feldes internationaler Austausch und Begegnungen hinweg geboten. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass dieses Konferenzformat verstetigt werden sollte.
    Knut Möller vom AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch fasst die Konferenz wie folgt zusammen: „Es war zu spüren, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Fürstenried wohlgefühlt haben. Das Schloss ist ein wunderbarer Ort für Tagungen, das bayerische Wetter war strahlend schön, und die Atmosphäre bei der Konferenz freundlich und angenehm. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, erneut ein Forum zu bieten für das Kennenlernen und den kollegialen Gedankenaustausch über alle Grenzen innerhalb des Feldes Internationaler Austausch und Begegnungen hinweg. Ich fand es besonders gut, dass ein ernsthafter, intensiver, sich über mehrere Teile der Konferenz und über beide Tage hinweg erstreckender Diskussionsprozess zum Hauptthema stattgefunden hat: Wie geht das Feld der Internationalen Bildung damit um, dass die Werte der Aufklärung und der Demokratie an vielen Stellen in Frage gestellt und angegriffen werden? Die besprochenen Vorhaben für die nächsten Monate stimmen optimistisch, dass dieser Diskussionsprozess fortgesetzt werden und handfeste Folgen haben wird.“

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